Sicherlich ist Ihnen die Situation nicht unbekannt, zumindest wenn Sie als Unternehmer Fremdkapital benötigen und diese vorzugsweise über Kredite aufnehmen: Der Bankberater schaut skeptisch und meint, dass bei dieser Bonität leider ein Aufschlag auf den günstigen Kreditzins notwendig wird. Auf die Nachfrage, warum die Bonität so schlecht von der Bank bewertet wird – schließlich hat man gute Kunden und es wurden in den letzten Monaten einige Restrukturierungen durchgeführt –, zählt er auf: Ertragslage unter Durchschnitt, hohe Abhängigkeit von einzelnen Kunden, Investitionsrisiko durch die neue Maschine, Branchenumfeld mit hoher Marktsättigung – um nur einige wenige zu nennen. Sicherlich variieren die Fakten von Fall zu Fall.
Bis zum Punkt Management und Unternehmensführung arbeitet sich der Bankberater in dem Gespräch meistens nicht vor. Aber auch die Qualität der „weichen“ Ratingkriterien sind für die Bank wesentlich. Und hierzu zählen auch die Parameter der strategischen Unternehmensplanung, das Zielsetzungs- und -überprüfungssystem und auch Controllinginstrumente bis hin zum Kalkulationsverfahren, der Stundensatzüberprüfung und einer konsequenten Nachkalkulation.
Auch wenn bei der Vielzahl der Ratingkriterien sicherlich die vorgenannten Parameter jeweils nur einen Bruchteil der Ratingnote darstellen, besitzen sie in der Summe doch einen gewissen Einfluss auf das Ergebnis der Bonitätsprüfung. Denn im Bereich der qualitativen Bewertungskriterien nehmen Qualität, Umfang und Aktualität von Controllingabläufen und des Kostenrechnungssystems einen wichtigen Stellenwert ein. So ist es nicht verkehrt, bei Optimierungen in der Unternehmensführung und dem Aufbau eines Controllingwesens auch die Ratingnote im Blick zu haben. Es kann die entsprechende Stellschraube sein, ob ein Kredit überhaupt vergeben wird, die Kreditlinien verlängert werden oder ob der Risikozuschlag auf den Kreditzins verringert werden kann.
Autor: Ulrich Smets (www.smets-controlling.de)